Ehrung Willi Grafs durch Benennung eies Platzes mit seinem Namen

 

Vor einhundert Jahre wurde Willi Graf geboren, vor fünfundsiebzig Jahren wurde er mit dem Fallbeil hingerichtet.

Ein halbes Jahr seines kurzen Lebens verbrachte er in Dillingen. Neben dem Lager des Reichsarbeitsdienstes, wo er seine Dienstpflicht bei der Primsbegradigung ableistete, befindet sich heute ein bislang namenloser Platz vor dem Weißkreuz-Stadion. Jeden Morgen, zwischen April und Oktober 1937, wenn Willi Graf zum Arbeitsdienst an die Prims ausrückte, kam er an diesem Platz vorüber oder überquerter ihn.

Als Medizinstudent wurde Graf, der am Ludwigsgymnasium in Saarbrücken sein Abitur abgelegt hatte, während des Krieges als Sanitäter eingezogen. Er sah verschiedene Kriegsschauplätze. Seine ablehnende Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus wurde durch die Kriegserlebnisse noch verstärkt. Durch die Bekanntschaft mit Hans Scholl schloss er sich der Widerstandsgruppe der Weißen Rose an. Als Kurier warb er neue Mitglieder, verteilte auch deren heimlich hergestellte Flugblätter.

Am 18. Februar 1943 wurden die Geschwister Scholl im München beim Verteilen von Flugblättern entdeckt. Am gleichen Tag wurde auch Willi Graf verhaftet. Während Hans und Sophie Scholl schon am nächsten Tag wegen Hochverrats, Wehrkraftzersetzung und Feindbegünstigung zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden, wurde Graf noch monatelang verhört. Die Gestapo erhoffte sich von ihm die Namen weiterer Mitwisser. Er verriet keinen einzigen Namen  und rettete damit vermutlich mehreren Menschen das Leben. Am 12 Oktober wurde auch er hingerichtet.

Diesen aufrechten und tapferen Mann, der ohne Waffen mit dem Wort für ein besseres Deutschland kämpfte, zu ehren, wäre nun, hundert Jahre nach seiner Geburt und fünfundsiebzig Jahre nach seinem Tode, in Dillingen eine gute Gelegenheit. Unser Stadtverordneter Dr. Gerhard Kaestle, stellt im Stadtrat den entsprechenden Antrag.